Die hier präsentierten Arbeitszeugnisse sind faszinierende Dokumente der Zeitgeschichte und machen die Entwicklung der Zeugnisschreibung anschaulich. Sie zeigen zum Beispiel, dass die heute üblichen Zufriedenheitsformeln bereits vor 200 Jahren verwendet wurden. Umfassende Informationen zur Geschichte des Arbeitszeugnisses und zur Entwicklung der Zeugnissprache finden Sie auf unseren weiteren Themenseiten.

1800

Commis, 1803

Daß Vorzeiger dieses Herr Johann David Bartenstein aus Königsberg Sich über seine Lehrzeit nemlich von Pr[i]mo Aug 1802 bis medio January 1803 als Commis in meiner Tuch= und Schnitthandlung sich aufgehalten und während dieser Zeit sich redlich, treü und rechtschaffen betragen, mithin seiner Dienste wegen vollkommen zufrieden gewesen bin. Dieses bekräftige mit meiner eigenhändigen Nahmens Unterschrift und bey gedruckten Bittschaft. Schweinfurth den 18 Jan: 1803.

Friedrich August Schepß. [...]

Gerichtsdiener, 1823

Zeugniß

Daß Johann Joseph Weisenbach, Sohn des Johann Weisenbach sel. geweßten Gerichtsdiener in Imst, nach dem Ableben seines genanten Vaters dessen Dienst im Jahre 1818 u. 1819 als Gehilf fleißig und mit gänzlicher Zufriedenheit daiger Gemeide versehen, und in allem rechtschaffen sich verhalten habe, wird hiemit zu seiner allseitigen besten Empfehlung bestätiget.

Jerzens am 28. April 1823

Jakob Jerner Vorstand.

Commis, 1856

Zeugniss

Herr Eduard Wenzelides aus Iglau in Mähren gebürtig, hat in meiner gemischten Waaren Handlung von ersten Juli 1853 bis 22 Februar 1856 als Commis servirt, und sich während dieser Zeit zu meiner vollkomenen Zufriedenheit benommen, daß keinen Anstand nehmen kann, selben allen Handlungsfreunden auf das beste anzuempfehlen. — Urkund dessen meine eigenhändige Fertigung und die beydruckung meines sichernden Handlungssiegels. —

Choteborz 23 Februar 1856.

Anton Bauer

Braumeister, 1868

Zeugniss

Der Herr Georg Henz aus Betzenweiler war vom 16. Novbr. 1865. bis heute als Braumeister in meinen Diensten; derselbe hat sich während dieser Zeit nicht nur als solide, fleißig u. ordnungsliebend erwiesen, sondern er hat auch besthätigt, dass er einem derartigen Posten in jeder Hinsicht selbstständig vorstehen kann. Besonders hervorheben muß ich, daß der Betreffende seine Untergebenen in Zucht u. Ordnung zu halten wußte.
Ich gebe ihm daher gerne das Zeugniss m[einer] vollsten Zufriedenheit und wünsche ihm zu seinem ferneren Fortkommen alles Glück.

Engelberg, 1. Sept. 1868

Wilh. Link

Schlossergeselle, 1905

Laupheim, den 25. Juni 1905

Zeugniss

Der Schlossergeselle Johannes Wohllaib aus Fellheim war vom 1 Mai 1902 bis 1 Mai 1905 bei mir in der Lehre u. von da bis heute als Geselle thätig u. hat sich während dieser Zeit durch Fleiß u. gutes sittliches Betragen meine volle Zufriedenheit erworben, so daß er jedem Meister bestens empfohlen werden kann.
Dies bezeugt

Josef Manz
Schlossermeister.

Gehilfe im Verlag, 1909

Berlin-Schöneberg, den 9. November 1909

Zeugnis

Herr Daniel Aich ist seit dem 1. Mai 1908 in unserm Hause als Gehilfe angestellt. Wir bescheinigen ihm gern, dass er sich als durchaus brauchbar, sorgfältig und zuverlässig erwiesen hat. Ganz besonders verdient seine zielbewusste und energische Arbeit bei den Abschlussarbeiten und dem Einbrin­gen der Aussenstände lobend erwähnt zu werden.
Sein Betragen, sein Fleiss, seine Treue und Ehrlichkeit sowie sein reger Eifer für seine Obliegenheiten machten ihn zu einem angenehmen Mitarbeiter für unser Haus.
Wir wünschen ihm bei seinem Abgange alles Gute für die Zukunft.
Sein Austritt erfolgt am 31. Dezember d. J.

ppa. Langenscheidtsche Verlags-Buchhandlung
(Prof. G. Langenscheidt)
Mohr Utermöhlen.

Bürogehilfe, 1914

Tempelburg, den 22. Januar 1914

Zeugniss

Otto Raatz, geboren am 10. März 1898 zu Virchow, Kreis Dramburg, ist in meinem Bureau, vom 14. März bis 1. Dezember 1913 mit Abschreiben, Buchungen, Einkassieren von Prämiengeldern u dgl beschäftigt gewesen. Derselbe hat sich während dieser Zeit tadellos geführt, war willig, folgsam, ehrlich et bemüht meine Zufriedenheit zu erwerben et ist auf seinen Wunsch am 1. December d. J. von mir entlassen. Ich wünsche ihm zu seinem ferneren Fortkommen Glück.

Dies bescheinigt:

E. Kuck Generalagent

Für die Richtigkeit der Unterschrift.
Tempelburg, den 22. Januar 1914
die Polizei-Verwaltung.
Bauer

Directrice, 1926

25. Januar 1926

Bescheinigung.

Fräulein Martha Kraack war vom 1. Januar 1926 bis zum 25. Januar 1926 als Directrice in meinem Putzatelier tätig. Sie hat sich durch ihre Leistungen meine vollste Zufriedenheit erworben. Ihr heutiger Austritt erfolgt auf eigenen Wunsch.

Regina Friedländer
— Modes —
Berlin W., Budapesterstr. 2-3

Selbständiger Buchhalter, 1932

Prag, den 30. September 1932.
ZEUGNIS

Wir bestätigen hiermit, dass Herr Erich Frohne bei uns vom 15. Dezember 1931 bis 30. September 1932 als selbständiger Buchhalter in unserer Durchschreibe-Buchhaltung nach dem System Hinz beschäftigt war. Herrn Frohne oblag die Führung der Bücher, einschliesslich der Bilanzierung, weiters Ausfertigung der Steuereinbekenntnisse und selbständige Erledigung der Buchhaltungskorrespondenz. Den Verkehr mit der Kundschaft hatte er deutsch, oder tschechisch abzuwickeln. Herrn Frohne können wir das Zeugnis ausstellen, dass er sich in seinen Arbeiten als tüchtiger, verlässlicher Mitarbeiter erwiesen hat und erfolgt sein Abgang nur deshalb, da wir zufolge der erneuten Devisenschwierigkeiten und des dadurch nahezu unmöglich gewordenen Importes ausländischer Wagen, sämtliches Personal entlassen mussten.

Hochachtungsvoll:
Knoll & Co.

Lagerverwalter, 1945

LDF./ La. 28. Juni 1945
Zeugnis

Herr [NAME], geb. am [DATUM] in Stettin, war in der Zeit vom 1. Oktober 1943 bis 19. August 1944 bei unserer Aussenstelle Frankreich als Lagerverwalter in Paris beschäftigt. Herrn [NAME] wurde die kaufmännische und technische Leitung eines grossen französischen Mineralöl-Tanklagers übertragen. Er hatte während seiner Tätigkeit rd. 200 französische Arbeiter und Angestellte zu betreuen.
Die Verwaltung des Tanklagers erforderte grosse Sachkenntnis und Umsicht. Herr [NAME] hat mit Fleiss und Interesse seinen Posten zu unserer vollsten Zufriedenheit ausgefüllt. Wir können ihm bestätigen, dass er in der Lage ist, selbständig und gewissenhaft zu arbeiten. Sein Ausscheiden aus der Aussenstelle Frankreich erfolgte aufgrund der militärischen Lage am 19. August 1944.
Nach Rückkehr des Herrn [NAME] nach Deutschland wurde er auf unserem Mineralöl-Tanklager in Raudnitz/Elbe als Versandleiter beschäftigt. Er hat auch hier seine Pflicht voll und ganz erfüllt.
Durch die veränderten Verhältnisse, die eine Auflösung unserer Gesellschaft bedingen, müssen wir Herrn [NAME] zum 30. Juni 1945 kündigen. Wir wün­schen ihm für sein ferneres Leben alles Gute und empfehlen ihn jeder Firma als brauchbaren Mitarbeiter.

Wirtschaftliche Forschungsgesellschaft m.b.H.

Maschinenschreiberin, 1951

Brühl, den 30. November 1951

ZEUGNIS.

Frau [NAME], geb. am [DATUM] 1928, wohnhaft in Brühl/Köln, war in der Zeit von Juni 1949 bis 30. November 1951 beim le Ordonnance Field Parc als Maschinenschreiberin im techn. Büro tätig.
Während dieser Zeit hat Frau [NAME] die ihr übertragenen Arbeiten stets gewissenhaft und zur vollsten Zufriedenheit ihrer Vorgesetzten ausgeführt. Sie war arbeitsam, ehrlich, pünktlich und kameradschaftlich und erwarb sich dadurch die Sympathien ihrer Vorgesetzten und Mitarbeiter.
Wegen Verlegung der Einheit scheidet Frau [NAME] aus unseren Diensten
Wir wünschen ihr für ihren weiteren Lebensweg alles Gute.

Lieutenant D O R Ch. Chef de la Son Comptabilité

Bäckergehilfe, 1957

Freising, den 1. Fabruar 1957

Zeugnis

Der Inhaber dieses Zeugnisses, Herr [NAME], geb. am [DATUM] 1936 war vom 1. April 1955 bis 31.1.1957 in meinem Betrieb als Gehilfe tätig.
Während dieser Zeit war er bemüht, die ihm anvertrauten Arbeiten nach besten Kräften zu erfüllen. Besonders hervorheben möchte ich seine Treue und Ehrlichkeit.
Er verläßt die Stellung nach gegenseitiger Vereinbarung.
Ich wünsche Herrn [NAME] für die Zukunft alles Gute.

Lg. Zischke Bäckermeister


Unter Berücksichtigung des Persönlichkeitsschutzes sind die Namen der Arbeitnehmer in allen nach 1932 ausgestellten Dokumenten unkenntlich gemacht.